LBGO LEUPOLD BROWN GOLDBACH
ARCHITEKTEN

Durch den Abbruch der ehemaligen Molkerei kann in zentraler dörflicher Lage neuer Wohnraum in Salmanskirchen geschaffen werden. Das Molkereigebäude hat über Jahrzehnte hinweg das Ortsbild geprägt. Die schiere – den dörflichen Maßstab sprengende – Gebäudegröße sowie die sternförmig darauf zulaufende Erschließung hat es zu einer unübersehbaren Landmarke im Ort gemacht. Hier entsteht nun ein lebendiger Ort für eine Gemeinschaft aus Jung und Alt. Derzeit vollflächig asphaltierte Flächen werden zu einer grünen Oase für die Bewohner des Ortes. Durch geschickt gelegte Fußwegeverbindungen über das Grundstück hinweg vernetzen sich alte und neue Ortsteile miteinander. Die Entwicklung auf dem Molkereigelände ist gleichzeitig Impuls und Aufbruch für weitere Entwicklungen in den angrenzenden Gebieten, eine einmalige Chance für den Ort.

Ein neuer zweigeschossiger L-förmiger Bau legt sich an die Süd- sowie die Westseite des Grundstücks. Zusammen mit den teilweise erhaltenen langgestreckten Bestandsgebäuden formt die Anlage eine Art Hofstelle nach klassischem Vorbild des Dreiseithofes. Es entsteht ein geschützter und gerahmter Hof, der „zwangsläufig aber zwanglos“ zu einem Begegnungsort für alle Bewohner wird. Der Baukörper ist mit zwei Vollgeschossen deutlich niedriger als der Bestand und verschattet damit den Außenraum nicht unnötig. Hier am Hof liegen alle Wohnungszugänge. Im Erdgeschoss schafft eine gepflasterte Vorzone nach dem Vorbild der ländlichen „Gred“ den Übergang von der Hoffläche zu den Privaträumen. Die Eingänge liegen wettergeschützt unter dem darüberliegenden Laubengang. An zwei gezielten Stellen befinden sich Durchgänge durch das Haus, die die Verbindung der gerahmten Innenwelt zu der freien Außenwelt schaffen. Der 2-geschossige Durchgang im Westen gliedert den L-förmigen Baukörper in zwei Teile und schafft den Durchgang nach Westen zum Ortskern hin. Hier liegt auch die zentrale Haupttreppe mit dem einzigen Aufzug, der alle Wohnungen barrierefrei erschließt. Der Durchgang im Süden ist lediglich eingeschossig und verbindet den Hof mit dem Garten im Süden und im weiteren Verlauf als Fußweg mit dem ehemaligen Schloss.

Ein Laubengang auf der Hofseite des Gebäudes schafft eine horizontale Gliederung zwischen den Geschossen. Durch die Grundrissorganisation innerhalb der Wohnungen liegen auf der Hofseite keine Schlafräume, sondern Küchen und Bäder. Die Laubengangfassaden sind eher geschlossen gehalten mit gut gesetzten Öffnungen für Tageslicht und Ausblicke zum Hof. Die Fassade zum Süden und Westen hat einen sehr hohen Glasanteil, hier sind ausschließlich Wohnräume angeordnet. Ein vorgesetzter Balkon im OG, sowie ein ebenso großer Dachüberstand schützt die Innenräume vor starker Sonneneinstrahlung. Die Erdgeschosse erhalten einen vorgelagerten, geschützten Freisitz, ähnlich einer „Veranda“, der in den gemeinschaftlichen Garten übergeht. Vorgehängte Holzlamellen bieten zusätzlichen Schutz und brechen auf spielerische Art die Strenge des Baukörpers. Die Wohnungsgrundrisse sind nach den Vorgaben des kommunalen Wohnraumförderprogramms organisiert. Durch die modulare Wiederholung und die insgesamt kompakte Bauweise wird eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht.

  • Bauherr: Gemeinde Ampfing
  • Landschaftsarchitekt: Uwe Schmidt
  • Klimadesign: Climateflux
  • Leistung LBGO: Wettbewerb 2020, 2. Preis
  • Projektnummer LBGO: 300