1st Prize for multiple assignment Traunstein Seiboldsdorf
1. Preis für Mehrfachbeauftragung Traunstein Seiboldsdorf
typology: urban planing
floor area: 3,6 ha
status: 1st prize with Mahl Gebhard Konzepte
15.03.2021

1. Preis für Mehrfachbeauftragung in Traunstein Seiboldsdorf

Chance – Vielfalt und Lebendigkeit

Mit der Grundstücksentwicklung in Seiboldsdorf hat die Stadt Traunstein die Chance neue Wege bei der Schaffung von Wohnraum zu gehen. Die bisher übliche Parzellierung in Einfamilienhaus-Strukturen soll ersetzt werden durch modernere, stärker verdichtete Wohnformen mit einer großen Bandbreite von unterschiedlichen Maßstäben und Typologien. Gute Architektur und Städtebau sind die idealen Instrumente, um Wohnqualität und vor allem soziale Qualität zu schaffen. Eine noch größere Bedeutung als die Häuser selber haben die Zwischenräume - hier entsteht Begegnung. Die Häuser bilden dafür die Kulisse und werden so gesetzt, dass spannende Freiräume mit unterschiedlichen Stimmungen entstehen: Ruhe und Geborgenheit, Vielfalt und Lebendigkeit!

 

Lage zwischen Gewerbegebiet und Natur

Das Grundstück liegt der Stadt südlich vorgelagert und wird künftig den Ortseingang von Siegsdorf kommend markieren. Das direkte Umfeld könnte heterogener nicht sein. Im Westen liegt die stark befahrene Staatsstraße. Über die Straße hinweg hat die Stadt mit der Ansiedlung eines Gewerbegebietes bereits Tatsachen geschaffen. Im Osten grenzt das Grundstück an eine 80er Jahre Einfamilienhaussiedlung mit für diese Zeit typischen, üppigen Parzellengrößen von ca. 1.000m². Herausfordernd ist die stark nach Osten geneigte Topografie, die sich in zwei Plateaus abstuft. Eine hohe Qualität stellt die Nähe zum Naturraum der Traun im Osten, sowie der herausragende Blick nach Süden in die Berge dar.

 

Raumprogramm und Wohnungstypologien

Die Stadt beabsichtigt eine begrüßenswerte Mischung aus unterschiedlichen Wohnungstypologien vom Geschosswohnungsbau, über Kettenhäuser bis zu experimentellen Wohnformen wie Tiny Houses. Wir würden dieses Programm um gut gesetzte gemeinschaftliche Nutzungen ergänzen, um Verbundenheit mit dem Ort, Aktivität und Begegnung zu fördern. Dies kann eine Kita sein, ein kleines Café aber auch ein produzierender Betrieb, z.B. aus der Käserei oder eine Keramikwerkstatt. Eventuell gelingt es hier ein kleines Unterzentrum zu etablieren.

 

Vierseithöfe – Schutz und Geborgenheit

Die Geschosswohnungsbauten sind nach dem Vorbild des historischen Vierseithofes um einen gemeinsamen Freiraum gruppiert. Dies ermöglicht eine stark verdichtete Bauweise und reduziert Erschließungsaufwand. Vor allem erzeugt es Gemeinschaftsgefühl. So, wie der historische Hof Schutz vor Wind und Wetter geboten hat, bietet die moderne Interpretation Schutz vor dem Schall aus Straße und Gewerbe. Das Innere der Höfe liegt etwas höher, als das angrenzende Gelände, um der darunter liegenden Tiefgarage Platz zu machen. Großzügige Freitreppen in den Fugen zwischen den Gebäuden verbinden die Höfe mit der umgebenden Landschaft. Diese Freitreppen markieren die Trennung zwischen privat und öffentlich und werden selber zu Orten. Die Stufen laden ein zum Sitzen und Verweilen.

Durch die Orientierung als langgestreckte Rechtecke erhalten alle Wohnungen ruhige und besonnte Tageslichtseiten. Auf der Nordseite sowie auf entlang der Staatsstraße sind die Wohnungen mit Laubengängen zusammengeschlossen. Diese sind von der Fassade etwas abgesetzt, die Eingänge zu den Wohnungen sind über Brücken mit dem Laubengang verbunden, hierdurch sind zweiseitig orientierte Wohnungsgrundrisse möglich. Gleichzeitig wird der Laubengang wieder zu einem Begegnungsort innerhalb des Vierseithofes. Alle Wohnungen erhalten einen gut gesetzten Freisitz als Balkon oder Loggia. Ein Rücksprung in der Fassade sorgt für eine schallgeschützte Lüftungsmöglichkeit auch in der Nähe der schallbelasteten Straße. Alle Häuser erhalten einen direkten Zugang zur maximal effizienten Tiefgarage. Hier befinden sich auch die geforderten Abstellräume und Technikflächen.

 

Familienwohnen in Hofdörfern

Auf der Ostseite des Gebietes befinden sich die Hofdörfer. Die einzelnen Häuser sind zu Reihen zusammengeschlossen. Die Hauseingänge liegen in der Regel im Norden, die Privatgärten im Süden. Die Wohnhöfe sind nicht öffentlich, sondern jeweils Gemeinschaftseigentum. Der Hof gehört den Bewohnern. Die Vorzone vor den Eingängen der Häuser ist kommunikativ und erstreckt sich bis zur Haustür. Eine Trennung zwischen den Gemeinschafts- und den Privatflächen ist lediglich über Höhensprünge oder Belagswechsel angedeutet. In der Vorzone der Häuser ist jeweils ein PKW-Stellplatz / Haus angeordnet sowie eine robuste Box zur Lagerung von Brennholz bzw. die Aufnahme der Mülltonnen. Die Boxen sind mit Holz bekleidet und informelle Spielkuben für die Kinder. Der Hof wird lediglich durch die eigenen PKWs befahren. Für die optische Abtrennung zur öffentlichen Straße sorgt der Gartenzaun des Endhauses sowie ein Belagswechsel. Die Südgärten sind privat, der Gartenzaun als Gestaltungselement fasst sie zu einer Familie zusammen. Die Trennung zwischen den Einzelgärten ist dezent und untergeordnet.

 

Zentraler Dorfplatz und ein Gemeinschaftsgarten

Das Zentrum des Quartiers bildet ein kleiner Dorfplatz, der sich zwischen den drei Hauptgebäuden aufspannt. Er wird zum Begegnungsort für alle Bewohner. Die Straße führt als „Shared Space“ am Rand über den Platz. In den Gebäuden sind die vorgeschlagenen gemeinschaftlichen Nutzungen angeordnet. Im Norden ein Gemeinschaftsraum für alle Bewohner des Quartiers, der auch ein kleines Café oder Wirtshaus sein könnte. Die Freifläche davor eignet sich durch die ruhige Südorientierung dafür perfekt. Ein stolzer Baum sowie der Maibaum markieren die Platzmitte. Im mittleren Hof, angrenzend an den Dorfplatz, könnte auch ideal eine kleine Kita liegen. Durch die Vielzahl der neuen Bewohner wird eine Kinderbetreuung eventuell ohnehin notwendig werden. Die Bebauung um den Dorfplatz herum ist so angeordnet, dass sie in alle Richtungen für Fußgänger und Radfahrer durchlässig ist. Dadurch wird der Dorfplatz nicht nur zum Zentrum des neuen Quartiers, sondern auch für die angrenzende bestehende Bebauung.

Westlich an den Dorfplatz, im Zwischenraum zwischen dem nördlichen und mittleren Vierseithof befindet sich ein langgestreckter terrassierter Gemeinschaftsgarten. Dieser ist ein Angebot an die Bewohner der Wohnungen, die ja keinen eigenen Garten haben. Er lädt ein zum gemeinsamen Gärtnern. Orte wie dieser schaffen Aktivität und bilden Gemeinsamkeit.

Das westliche obere Ende des Gartens wird begrenzt durch einen ländlichen Stadel. Dieser beherbergt die Gartengeräte und dient als zentraler Unterstellplatz für Fahrräder. Ein weiterer Ort für ungezwungene und ungeplante Begegnungen.

 

Verkehrliche Erschließung und Parken

Durch die geschickte Anordnung der Nutzungen, wird der Aufwand für die Erschließung extrem geringgehalten. Eine einzige Erschließungsstraße führt vom Kreisel an allen Wohnhöfen und Gebäuden vorbei. Die Wendemöglichkeit am Ende der Straße ist eine Mischung aus Ringerschließung und Wendekreis. Die Besonderheit ist, dass im Inneren des Wendekreises ein solitäres Gebäude, die Quartiersgarage, liegt. Es wird also kein Wohnhaus von einer Ringstraße umrundet, bzw. kein Wohnhof von einer Durchgangsstraße gekreuzt. Dies ist ein großer Vorteil für die Sicherheit der Bewohner und insbesondere der Kinder.

Die Quartiersgarage hat zwei Ebenen. Die untere Ebene ist direkt an das Hofdorf angeschlossen und dient dem Stellplatznachweis der Reihenhäuser. Die obere Ebene am Dorfplatz dient den Besucherstellplätzen der Vierseithöfe. Als Wetterschutz dient eine Satteldachkonstruktion, ähnlich einem Stadel, wie man ihn aus der Landwirtschaft kennt. Zu besonderen Anlässen kann der Parkstadel als Festzelt genutzt werden.

Die Vierseithöfe haben gemeinsame Tiefgaragen. Dies können zusammenhängend errichtet werden und jeweils direkt kurz nach dem Kreisel erschlossen werden. Damit wird bereits ein Großteil der PKWs aus dem Wohngebiet herausgehalten.

 

1st Prize for Mehrfachbeauftragung in Traunstein Seiboldsdorf