Preisträger für Ortsmitte
Marquartstein
typology: urban planning
size: 10.000 m²
status: 2nd prize
landscape: Mahl Gebhard Konzepte
Landschaftsarchitekten
27.11.2020

Ortsmitte Marquartstein

Chance - der Ort wächst zusammen

Die Neugestaltung der Ortsmitte Marquartstein ist ein wichtiger Schritt und eine einmalige Chance für die Gemeinde mehrere voneinander getrennte Ortsteile miteinander zu verbinden und eine lebendige Mitte zu schaffen. Die Entwicklung soll der herausragenden landschaftlichen Schönheit im bayerischen Voralpenland gerecht werden und an die jahrhundertealte Baukultur anknüpfen. Es entsteht ein offener Ort der Begegnung für alle Bewohner des Dorfes.

 

Rückseiten und ein Vakuum

Das Plangebiet wirkt „eingeklemmt“ zwischen der südlichen Staudacherstrasse und der Bahnhofstrasse. Letztere sollte eine prominente Vorderseite sein, wirkt aber wie eine Rückseite. Das ehemalige Schrobenhauser-Gebäude steht sperrig dazwischen und verhindert alle räumlichen Bezüge wie Blicke oder Wegverbindungen. Die Fläche im geometrischen Mittelpunkt der Gemeinde ist ein Vakuum.

 

Ab jetzt nur noch Vorderseiten, innen ein gemeinsamer Garten

Der Entwurf sieht eine kompakte Bebauung vor, die keine Vorder- und Rückseiten erzeugt, sondern Außen- und Innenkanten. Die neuen Häuser legen sich um einen gemeinsamen Hof, der sich nicht gegenüber der Umgebung abschließt, aber doch Schutz und Geborgenheit bietet. Die entstehenden Zwischenräume haben dafür das richtige Maß - nicht zu groß und nicht zu klein. Durchgänge zwischen den Gebäuden bieten die notwendige Durchlässigkeit für Fußgänger, die einen spannenden halböffentlichen „dörflich urbanen“ Raum entdecken. Gerahmt wird der Hof von den warmen Holzfassaden der Wohnhäuser und dem Leben in deren Inneren. Das Stabwerk der Fassade bietet den Wohnungen Schutz und dient als Rankhilfe für Begrünung. Die handwerkliche Herstellung aus Holzbalken und Brettern erinnert an die lokale Bautradition ohne diese zu imitieren. In der Mitte des Hofes liegt der gemeinschaftliche Nutzgarten, ein XL-Hochbeet in Anlehnung an das Motiv des Bauerngartens. Dieses Element schafft Identität am Ort, im Idealfall gemeinsame Aktivität der Bewohner. Hierauf spielt auch das „Marquartsteiner Wohnzimmer“ ein, ein Gemeinschaftsraum als Angebot für die Bewohner der Gemeinde zum Mitmachen und als Treffpunkt. Alle Gebäudezugänge wenden sich dem Hof zu. Hierdurch entsteht Begegnung und Gemeinschaftsgefühl.

 

Zwei große Häuser – wenn nicht hier wo dann?

Zwei große Häuser bilden die Kanten an zum öffentlichen Raum und schaffen Orientierung und Sichtbarkeit in der Umgebung.

Zur Bahnhofstrasse hin ein Wohn- und Geschäftshaus, gut sichtbar für den vorbeifahrenden Besucher. Durch eine leichte Drehung der Westfassade stellt sich die Gebäudekante von Süden kommend stolz in den Weg. Gleichzeitig wendet sie sich freundlich dem Dreiklang im Nordwesten aus Kirche/ Rathaus/ Wirt zu. Es entsteht ein Dialog über die Bahnhofstrasse hinweg. Das Haus rückt von der Straße respektvoll ab, um einem kleinen Vorplatz und der Bushaltestelle Raum zu geben. Das Erdgeschoss hat somit großes Potential als Einzelhandelsfläche für Nutzungen, die von der Lage an der Durchgangstrasse profitieren, beispielsweise ein Sportgeschäft. In den Obergeschossen befinden sich gute geschnittene moderne Wohnungen, in den geforderten EOF Größen.

Das andere große Haus bildet in der südlichen Staudacher Straße das stolze Gegenüber des Gustapfel-Baus. Die bislang fehlende Raumkante wird gezielt gesetzt: aus der bislang viel zu großen Freifläche entsteht ein langgestreckter Raum, der dem eingebürgerten Namen „Fußgängerzone“ gerecht wird. Durch eine leichte Drehung des Neubaus und einen gut gesetzten Knick in der Ostfassade entsteht eine räumliche Inszenierung aus Aufweitung und Verjüngung der Fußgängerzone. Anstatt eines großen (zu großen) zentralen Platzes, gibt es eine Abfolge von kleineren Plätzen und Orten, die zum Verweilen einladen. Als Nutzungen werden im Neubau ein Café im Süden mit Bezug zur Brücke und mit Blick in die Berge vorgeschlagen. Im nördlichen Erdgeschoss befindet sich gut sichtbar bereits von Norden kommend die Apotheke. Der Höhensprung von ca. 3m zwischen Staudacher Straße und unserem neuen Garten führt durch den Neubau. Damit wirkt das Haus niedriger und 3-geschossig zum Garten und mit vier Geschossen höher zum Gustapfel-Bau, gegenüber dem es sich ja behauten muss. Passend zur Apotheke und guten Erreichbarkeit und Parkplatzsituation sind hier im OG die Arztpraxen angeordnet. Ganz oben befinden sich gut geschnittene Wohnungen, mit fantastischen Blicken über die Tiroler Achen und in die Berge.

Town center of Marquartstein

Opportunity – the village grows together

The redevelopment of the center of Marquartstein is an important step and a unique opportunity for the community to connect several separate parts of the village and to create a lively center. The development should do justice to the outstanding natural beauty in the Bavarian pre-alpine region and tie in with the centuries-old building culture. An open meeting place for all residents of the village will be created.

 

Backsides and a vacuum

The project area appears “squeezed in” between the southern Staudacherstraße and the Bahnhofsstraße. The last-mentioned should be a prominent front side, but seems like a back side. The former Schrobenhauser building stands bulky in between and prevents all special references such as views or path connections. The area in the geometric center of the community is a vacuum.

 

From now on only front sides, inside a common garden

The design plans a compact development that does not create front and back sides, but rather outer and inner edges. The new houses are arranged around a common courtyard that is not closed off from the surroundings, but still offers shelter and security. The resulting spaces in between have the right scale for this – not too large and not too small. Passages between the buildings provide the necessary passage for people walking through, discovering a semi-public “village urban” space. The courtyard is framed by the warm-wooden facades of the residential buildings and the life inside them. The framework of the façade offers shelter to the apartments and serves as a climbing support for greenery. The handicraft production from wooden beams and boards remembers the local building tradition without imitating. In the center of the courtyard is the community kitchen garden, a XL raised bed inspired by the motive of the farmers’ garden. This element creates identity in the place and ideally joint activity of the residents. The “Marquardsteiner Wohnzimmer” (Marquardsteiner living room) also plays into this, a community room as an offer for the residents to participate and as a meeting place. All entrances face the courtyard.  This creates a sense of interaction and community.

 

Two large houses- if not here then where?

Two large houses form the edges to the public space and create orientation and visibility in the surroundings. Towards Bahnhofsstraße, a residential and commercial building, clearly visible to passing visitors. Through a slight rotation of the west façade, the edge of the building proudly stands in the way coming from the south. At the same time, it turns in a friendly manner towards the triad in the northwest consisting of the church, the town hall and the barkeeper. This creates a dialogue across Bahnhofsstraße. The house moves respectfully away from the street to give space to a small forecourt and the bus stop. The first floor thus has great potential as retail space for uses that benefit from the location on the thoroughfare, such as a sports store. The upper floors contain good sized modern apartments in the EOF sizes.

The other large building forms a proud opposite of the Gustapfel building on the southern Staudacher Straße. The previously missing spatial edge is purposefully set: from the previously much too large open space, an elongated space is created, which lives up to the naturalized name “pedestrian zone”. A slight rotation of the new building and a well-placed bend in the east façade create a spatial staging of widening and rejuvenation of the pedestrian zone. Instead of a large (too large) central square, there is a sequence of smaller squares and places that invite people to relax. Proposed uses in the new building include a café to the south with a connection to the bridge and a view of the mountains. On the northern first floor, the pharmacy is already well visible coming from the north. The height difference of about 3m between Staudacher Straße and our new garden leads through the new building. Thus the house appears lower and 3-storied to the garden and with four floors higher to the Gustapfel building, against which it must assert itself. In keeping with the pharmacy and good accessibility and parking situation, the medical practices are located here on the upper floor. At the top are well-designed apartments with fantastic views over the Tiroler Achen and into the mountains.