Geförderter Wohnungsbau auf altem Molkereigelände
typology: subsidized housing/ re- use
size:1.200m²
status: Competition 3rd Prize
enviromental: Climateflux
landscape: Uwe Schmidt
14.05.2020

Wiederbelebung des alten Molkereigeländes in Salmannskirchen

 

 

Durch den Abbruch der ehemaligen Molkerei kann in zentraler dörflicher Lage neuer Wohnraum in Salmanskirchen geschaffen werden. Das Molkereigebäude hat über Jahrzehnte hinweg das Ortsbild geprägt. Die schiere - den dörflichen Maßstab sprengende - Gebäudegröße sowie die sternförmig darauf
zulaufende Erschließung hat es zu einem unübersehbaren Merkmal des Ortes gemacht. Hier entsteht nun ein lebendiger Ort für eine Gemeinschaft aus Jung und Alt. Derzeit vollflächig asphaltierte Flächen werden zu einer grünen Oase für die Bewohner des Ortes. Durch geschickt gelegte Fußwegeverbindungen über das Grundstück hinweg vernetzen sich alte und neue Ortsteile miteinander. Die Entwicklung auf dem Molkereigelände ist gleichzeitig Impuls und Aufbruch für weitere Entwicklungen in den angrenzenden Gebieten, eine einmalige Chance für den Ort.

 


Städtebauliches Konzept Molkereigelände


Ein neuer zweigeschossiger L-förmiger Bau legt sich an die Süd- sowie die Westseite des Grundstücks.
Zusammen mit den teilweise erhaltenen langgestreckten Bestandsgebäuden formt die Anlage eine Art Hofstelle nach klassischem Vorbild des Dreiseithofes. Es entsteht ein geschützter und gerahmter Hof, der „zwangsläufig aber zwanglos“ zu einem Begegnungsort für alle Bewohner wird. Der Baukörper ist mit zwei Vollgeschossen deutlich niedriger als der Bestand und verschattet damit den Außenraum nicht unnötig. Hier am Hof liegen alle Wohnungszugänge. Im Erdgeschoss schafft eine gepflasterte Vorzone nach dem Vorbild der ländlichen „Gred“ den Übergang von der Hoffläche zu den Privaträumen. Die Eingänge liegen wettergeschützt unter dem darüberliegenden Laubengang. An zwei gezielten Stellen befinden sich Durchgänge durch das Haus, die die Verbindung der gerahmten Innenwelt zu der freien Außenwelt schaffen.
Der 2-geschossige Durchgang im Westen gliedert den L-förmigen Baukörper in zwei Teile und schafft den Durchgang nach Westen zum Ortskern hin. Hier liegt auch die zentrale Haupttreppe mit dem einzigen Aufzug, der alle Wohnungen barrierefrei erschließt. Der Durchgang im Süden ist lediglich eingeschossig und
verbindet den Hof mit dem Garten im Süden und im weiteren Verlauf als Fußweg mit dem ehemaligen Schloss.

 


Gebäudekonzept Neubau und Bestand „Alle unter einem Dach“


Das L-förmige Gebäude ist so auf dem Grundstück platziert, dass die bereits beschriebenen Innenseiten den Hof umrahmen. Ein Laubengang im Obergeschoss schafft eine horizontale Gliederung zwischen den Geschossen. Durch die Grundrissorganisation innerhalb der Wohnungen liegen auf der Hofseite keine Schlafräume, sondern Küchen und Bäder (kein Konflikt mit Laubengang). Die Fassaden sind daher eher geschlossene Lochfassaden mit gut gesetzten, nicht zu großen Öffnungen für Tageslicht und Ausblicke zum Hof aus dem Innenraum. Durch die städtebauliche Stellung der Gebäude und die innere
Grundrissorganisation sind zum Süden und Westen ausschließlich Wohn- und Schlafräume angeordnet. Die Fassade erhält hier also einen sehr hohen Glasanteil. Ein vorgesetzter Balkon im OG, sowie ein ebenso großer Dachüberstand schützt die Innenräume vor starker Sonneneinstrahlung. Die Erdgeschosse erhalten einen vorgelagerten, geschützten Freisitz, ähnlich einer „Veranda“, der in den gemeinschaftlichen Garten übergeht. Durch den Balkon werden auf der Wohnseite ausschließlich bodentiefe Fenster ermöglicht. Die
Fassade springt in beiden Geschossen vor dem Wohnraum leicht zurück, dadurch wird der schmale Balkon zur Loggia mit einer gut nutzbaren Tiefe. Die an sich über die ganze Gebäudefront durchgehenden Balkone sind an den  Wohnungstrennwänden durch eine Schotte unterbrochen, dadurch werden die Außenräume zu privaten Rückzugsorten. Vorgehängte unregelmäßige vertikale Holzlamellen bieten zusätzlichen Schutz und brechen auf spielerische Art die Strenge des Baukörpers.
Die Wohnungsgrundrisse sind nach den Vorgaben des kommunalen   Wohnraumförderprogramms organisiert und in der gem. Auslobung  gewünschten Anzahl und Größe geplant. Durch die modulare Wiederholung und
die insgesamt kompakte Bauweise wird eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht.